Gesellschaft

sozial
Bevölkerung, freie Bauern
Kreuzzüge
Bettelorden
Ritter, Literatur
Städte
Verkehr
Wirtschaft
Politik
13. Jahrhundert
Wissenschaft
14. Jahrhundert
Kleidung
Ernährung, Küche
Wetter

Chronik: 11., 12., 13., 14. Jh.

Allgemeine Entwicklung

Link: Alltag

Dem armen ist niht mê gegeben
wan guot gedinge und übel leben.

Man kan mit keinen dingen
rîchtuom zesamne bringen
ân sünde und âne schande gar;
des nemen die rîchen hêrren war.

Manc armer hêrre tugende hât,
sô er rîch wirt, die er danne lât.

Waer aller liute sin gelîch,
son waere nieman arm noch rîch.

Freidank, S. 56/57
Dem armen Manne ward gegeben
nur Hoffnung und ein kläglich Leben.
43,12
Ganz ohne Schand' und ohne Sünden
wird man zu keinem Reichtum finden,
und täte man es noch so gern.
Das wissen alle mächt'gen Herrn.
43,14
Manch armen Edlen Tugend ziert,
die er als Reicher rasch verliert.
43,18
Wär' aller Menschen Denken gleich,
dann gäb' es weder Arm noch Reich.
Freidank 43,22
[28.11.04]

Chronik

11. Jahrhundert
12. Jahrhundert
13. Jahrhundert
14. Jahrhundert Alle Angaben: [Stein] (Seite) [22.10.04]

Allgemeine Entwicklung

Bevölkerung, freie Bauern
  Im betrachteten Zeitraum (1054-1378) des Früh- bis Spätmittelalters wuchs die Bevölkerung in Mitteleuropa, das in etwa die Britannischen Inseln, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien mit Sizilien umfaßte, von geschätzten 30 - 40 Mio. Menschen um die Jahrtausendwende auf etwa 60 - 70 Mio. bis zum Schwarzen Tod 1348/49. [Breuers, S. 237] (vgl. Freiheit ..)
  Um 1340 sollen in Europa rund 75 Millionen Menschen gelebt haben: in Frankreich und Niederlanden je 19, in Deutschland und Skandinavien 11,5, in Italien 10, auf der iberischen Halbinsel 9, in Osteuropa 8, in Griechenland und auf dem Balkan ca. 6, in Polen und Ungarn zusammen 5 und auf den Britischen Inseln ebenfalls 5 Millionen. Die Bevölkerungszahl war seit 1100 laufend angestiegen. [Zappe, S. 28] [6.2.06]
  Als Europas Völker nach langen Wanderungen und erbitterten Kämpfen wieder seßhaft wurden, bildeten sie freie Bauernschaften aus - die letzte bestand im Land Hadeln bis 1937. Daraus entwickelte sich das auf dem Lehnswesen beruhende "weltliche" Feudalsystem: der ursprüngliche Leitsatz, daß Grund und Boden niemandem zu eigen sei, führte in der Praxis zur Herrschaft einer dünnen Adelsschicht. [dtv, S. 31] [17.3.00]

Kreuzzüge
  Im Jahre 1149 war der 2. Kreuzzug unter Papst Eugen III. beendet worden. (Der 1. lag bereits 50 Jahre zurück). In den folgenden 100 Jahren wird es noch 4 weitere Kreuzzüge geben und einen letzten 1270, als Eckhart etwa 10 Jahre alt ist. 21 Jahre später, 1291, fällt die Stadt Akkon und beendet damit diese Angelegenheit, die nicht nur ungezählte Opfer auf Seiten der Kreuzfahrer forderte, sondern auch unter den Bevölkerungen der Länder auf dem Weg nach Jerusalem und in Jerusalem selbst; die als Vorwand diente, Byzanz zu erobern und in Flammen aufgehen zu lassen; die als Begleiterscheinung zu Judenprogromen führte und nicht zuletzt die Erwachsenen zusehen ließ, wie selbst Kinder sich auf einen eigenen Kreuzzug machten (1212). [17.3.00, geändert 25.1.06]
  Aber Kreuzzüge wurden nicht nur gegen die 'Heiden' geführt, sondern auch gegen 'Ungläubige' (wie die Wenden [1147] und Prußen [1231-1283]- vgl. Ostsiedlung) und 'Ketzer' (wie die Albigenser [1209-1229] oder die freien Stedinger Bauern [1233-1234]). [25.1.06]

Bettelorden
  Immer mal wieder hatte es innerhalb der Kirche Reformbemühungen gegeben (so im 10. Jahrhundert in Cluny, im 11./12. Jahrhundert die gregorianischen Reformen), aber erst mit dem Beginn des 13. Jahrhunderts erschienen die Franziskaner und Dominikaner, beide von charismatischen Führern, Franz von Assisi und Dominikus, gegründet (1210 bzw. 1215). Für Franziskus lag das Ideal in der Rückkehr zur Lehre Christi, zu einfachem Leben und Armut (aus Enttäuschung über die Entwicklung seines Ordens verließ er ihn zwei Jahre vor seinem Tod). Dominikus versuchte in Südfrankreich die Katharer, die sich außerhalb der Kirche stellten, in selbige zurückzubekommen. Nach Ausbruch des Krieges gegen die Albigenser war er davon überzeugt, daß man mit entsprechend ausgebildeten Predigern mehr erreichen konnte als durch Anwendung von Gewalt. Dementsprechend nannte er den Orden den der Predigerbrüder und die wissenschaftliche Ausbildung der Brüder war das wichtigste Mittel, das Ziel zu erreichen. Auch die Dominikaner sollten besitzlos sein und vom Betteln leben - dadurch der Name Bettelorden.
  Im Gegensatz zu den älteren Orden waren diese sehr darauf bedacht, sich in den Städten anzusiedeln bzw. an den Orten, von denen sie sich die größte Wirksamkeit versprachen. Innerhalb des 13. Jahrhunderts breiteten sich beide Orden mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit über ganz Europa aus. Um 1300 zählten die Franziskaner etwa 30.000 Mitglieder und die Dominikaner derer ca. 11.000 in 554 Konventen. 1231 wurde letzteren die Inquisition übertragen. [1.2.06]

Ritter, Literatur
  Gleichzeitig (bis etwa 1250) blühte die Hohe Zeit des Rittertums, der Ritterburgen, der höfischen Sitten. Es wurden 30.000 Verse umfassende Romane geschrieben (Benoit de Sainte-Maure, Roman de Troie), troubadourisch gesungen, der Minne gehuldigt (Walther von der Vogelweide) und Wolfram von Eschenbach schrieb seinen Parzival, der schon zur Zeit seiner Entstehung mit seiner Verherrlichung "ritterlicher Tugenden" mit der Realität von Mord- und Totschlag und Terror gegen die Bevölkerung seitens der Kreuzritter nichts mehr zu tun hatte. In England kämpfte der Geächtete Locksley, genannt Robin Hood für die Sache des Richard Löwenherz, der 1199 starb. [17.3.00]

Städte
  Ein sehr großer Teil der Länder war noch mit Wald bedeckt, der zunehmend gerodet wurde durch die sich - von Frankreich ausgehend - verbreitende Dreifelderwirtschaft, die bessere Erträge brachte (unterstützt durch den Eisenpflug) und damit die Bevölkerung ansteigen ließ, was wiederum zu vermehrter Siedlungsgründung führte. In dieser Zeit stieg die Zahl der Städte von ca. 40 im 9. Jahrhundert auf ca. 3000 im 14. Jahrhundert (was auch die weite Verbreitung der Bettelorden begünstigte im Verlauf des 13. Jahrhunderts). [17.3.00]
  Im 14./15. Jahrhundert gab es schon um die 10.000 Städte in Europa. Als groß galten in Deutschland Städte schon, wenn sie 10.000 Einwohner hatten und mehr. Das waren damals Aachen, Berlin [das möchte ich bezweifeln], Bremen, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München oder Worms. Aber es gab auch schon richtige "Großstädte", Metropolen, mit mehr als 300.000 Einwohnern. In Italien waren das Venedig, Florenz oder Genua, im restlichen Europa Madrid, Köln, Paris oder Brügge. [Zappe, S. 20] [6.2.06]
  Es war eine Zeit der Veränderungen. Die Menschen zogen in die größeren Dörfer oder direkt in die Stadt ("Stadtluft macht frei"), weil sie sich davon mehr Möglichkeiten versprachen. Neue Städte wurden gegründet, größere Ansiedlungen erhielten das Stadtrecht. In den Städten erkauften resp. erhandelten sich die Kaufleute ihre Privilegien gegenüber der adligen und/oder der kirchlichen Herrschaft; im Gefolge entstanden die Handwerkszünfte (die "Gewerkschaften" dieser Zeit), die sich bis heute gehalten haben. Ritter wurden langsam obsolet, weil die Städte ihre eigene Miliz bildeten, die sich zuvorderst aus den Bürgern zusammensetzte: Bürger = burgenses = Bewohner der burgos, der Burg. Die Städte wurden befestigt durch eine Stadtmauer und an den Toren fand die Inspektion statt. Stadt und (umliegendes) Land wurden klar unterschieden. Jede Stadt pochte auf ihre Autonomie: Wer hier Handel trieb, bestimmte sie. [17.3.00]

Verkehr
  Verkehrswege gab es nur wenige, wobei die wichtigste Nord-Süd-Verbindung von Köln über Basel und Mailand nach Genua führte und die wichtigste West-Ost-Verbindung (s. Via regia) von Paris über Frankfurt (von wo ein Abzweig über Nürnberg und Regensburg noch Wien führte) nach Erfurt und von dort weiter über Breslau bis Krakau und Kiew. Direkte Verbindungen bestanden von Köln zu den Niederlanden (und London) und Lübeck, von Paris nach Flandern und Mailand, von dort nach Rom und Venedig, und von dort nach Wien. Damit war das mittelalterliche Wegenetz im Prinzip auch schon geknüpft. Natürlich waren die "Straßen" nicht befestigt und wenn sich ein deutscher König auf die Rundreise machte, Hof zu halten und Recht zu sprechen, konnte er schon ein paar Jahre unterwegs sein. Ebenso rüstete sich ein Kaufmann, der an einer Messe in Paris oder Brügge teilnehmen wollte, besser rechtzeitig. Ebenso sollte er sich nicht unbewaffnet auf den Weg machen, wenn er seine Waren auch noch verkaufen wollte. Aus Oberitalien kamen Luxuswaren, aus Flandern Tuch, aus Böhmen Silber und aus Deutschland Rohstoffe wie Eisen und Kupfer. [17.3.00]

Wirtschaft
  Trotz aller Kämpfe dieser Jahre oder gerade deswegen befand sich die wirtschaftliche Situation überall in Europa im Aufwind. Die Kreuzzüge brachten vermehrten Handel zuerst nach Italien und von dort aus nach Frankreich und Deutschland, was besonders von den Ritterorden befördert wurde, die sich in der Fremde, sprich in Jerusalem, gegründet hatten: vom Templer-, dem Johanniter- und dem Deutschen Orden, dessen Zentrale sich vorerst in Venedig befand, von wo aus er den Handel im Mittelmeerraum kontrollieren und dann besonders in der ersten Hälfte des 13. Jh. das Zünglein an der Waage zwischen dem Papst in Rom einerseits und Friedrich II. in Palermo bzw. Apulien andererseits spielen konnte. [17.3.00]

Politik
  1212 wurde Friedrich im Alter von 18 Jahren zum zweiten Mal zum deutschen König gekrönt und mischte bis 1250 mit. Der englische König Heinrich III. kam 1216 auf den Thron und starb 1272 mit 65 Jahren. In Frankreich betrat 1226 Ludwig IX. die Szene und blieb bis 1270. Während in England und Frankreich das zentrale Königtum sich verfestigte und von den Hauptstädten London und Paris aus die Machtbasis verbreiterte, gab es eine solche Hauptstadt in Deutschland nicht. Das Land wurde von Süditalien aus 'regiert' bzw. von den Landesherren in den deutschen Provinzen. Nicht von ungefähr haben wir heute noch eine Verfassung, in der die (inzwischen) 16 Bundesländer eine nicht unbedeutende Rolle spielen.
  In dieser Zeit passierten 8 Päpste die Bühne. Dann betrat Eckhart den Raum. Bei seiner Geburt gab es in Deutschland zwei Könige: einen im englischen Berkhampstead Castle und einen im spanischen Sevilla. Eckhart erlebte 16 Päpste, 6 deutsche Könige und Kaiser, 7 französische und 4 englische Könige. Im Gegensatz zu Frankreich und England mußte, wer deutscher König oder mit Papsten's Gnaden Kaiser werden wollte, durch die 7 deutschen Kurfürsten gewählt werden, und das - kostete!
  In den 50 Jahren nach Eckharts Tod 1328 bis zum Abendländischen Schisma werden weitere 6 Päpste, 1 deutscher, 1 luxemburger, 3 französische und 2 englische Könige die Datenbänke der Historiker füllen. Von all den anderen Ländern gar nicht zu schreiben. [17.3.00]

13. Jahrhundert
  Der große Aufschwung kam im 13. Jahrhundert. Die Kreuzzüge bewegten nicht nur Tausende von Männern (und machten ebensoviele Frauen zu Witwen und Waisen), sondern ebenso den Waren- und Wissensaustausch zwischen Orient und Okzident. Staunend standen die Menschen aus Wimpfen, Bagnorea oder Valenciennes vor der überwältigenden Pracht Byzanz' und vielleicht hatten sie bei der Eroberung und Inbrandsetzung der Stadt eine dunkle Ahnung, das ihnen doch irgend etwas fehlen könnte.
  Überall fanden Veränderungen mit einer Geschwindigkeit statt, die noch vor zwei, drei Generationen unvorstellbar gewesen wären. Auf einmal wurde aus der Bibel in der Volkssprache gepredigt, die später deutsch, italienisch, französisch oder englisch genannt werden wird und auf den Straßen war der Teufel los. Umherziehendes Volks, Vaganten genannt, Gaukler und Spielleute mischten sich mit Studenten und Handwerkern, die von einer Baustelle zur anderen wanderten und unterwegs auf Bettelmönche, Kaufleute, Diebsgesindel, Räuber oder Ritter oder wer auch immer unterwegs sein mochte zu Fuß oder zu Pferde, auf dem Karren oder dem Floß oder Schiff auf dem Fluß. Musik lag in der Luft. Statt der dumpfen romanischen Höhlenkirchen wurde in den Himmel gebaut mit einem irrwitzigen Strebewerk, das die Kirchen höher und höher trieb (und sie manchmal zusammenbrechen ließ). Ganz Mitteleuropa war eine einzige Baustelle. Das Leben wurde bunt; farbige, kunstvoll angeordnete Gläser bildeten die Fenster der majestätischen Kathedralen. Dazu sangen die Troubadoure mit ihrer Laute Minnelieder und priesen die höfischen Rittersitten. Ein deutscher Kaiser, der sich überwiegend in sonnigeren Gefilden aufhielt, zeigte dem deutschen Muff die ganze Pracht arabischer Kultur, überraschte sie mit einem Zoo von Affen, Leoparden, Elefanten und Giraffen und veranstaltete in Mainz ein Turnier, das die Welt noch nicht gesehen hatte. Zumindest nicht die in Mainz (das war vermutlich die Geburtsstunde des Mainzer Karnevals). [17.3.00 - 3.2.04 gemeinsamer Text aus 'Geschichte' und 'Gesellschaft', geändert 1.2.06]
  Nicht von ungefähr setzte sich in diesem 13. Jahrhundert - aus Italien kommend - die Geldwährung durch. Italienische Kaufleute finanzierten die Kriege zwischen England und Frankreich; in den oberitalienischen Städten, der Lombardei, wurden die doppelte Buchführung, der Wechsel und der Dispo erfunden; die Luxuswaren (Seide, Gewürze) kamen daher. [17.3.00]

Wissenschaft
  Und nicht zuletzt durch den Handel der Seestädte an den Küsten Italiens, Frankreichs, Spaniens und des gesamten Mittelmeerraumes kamen auch die Schriften der antiken griechischen Philosophen (besonders Aristoteles) nach Europa und wirkten befruchtend auf die abendländische Scholastik. Das Zentrum der theologisch-philosophischen Auseinandersetzungen war Paris, neben Bologna, Montpellier, Oxford und Salerno die berühmteste Universität des Mittelalters.
  Hierher kam auch Eckhart, um Vorlesungen zu halten und im wahrscheinlichen Alter von 42 Jahren seinen Magister zu machen. Hier befand er sich in den geistigen Diskussionen der Zeit, er hörte vielleicht Vorlesungen des Raimundus Lullus, dem er in einigen Punkten durchaus zustimmen konnte, und hörte ebenso vielleicht Johannes Duns Scotus, dem er in einigen Punkten durchaus widersprochen haben wird. Im Universalienstreit entwickelten sich mit dem Nominalismus Ideen, die später in die Aufklärung einfließen werden.
  Hier kam das Wissen der Welt zusammen, hier befand sich die "Informationsbörse" Mitteleuropas. [17.3.00]

14. Jahrhundert
  In Italien wurde ein Papst gewählt, der 1300 das "1. Jubeljahr" ausrief und alle aufforderte, zum Ablaß der Sünden nach Rom zu kommen (ein hervorragender Förderer des Tourismus - es sollen 200.000 gekommen sein) und der sich überhaupt als "Gröfaz" aufspielte und sich mit aller Welt und besonders mit Frankreich anlegte, wo Philipp IV. seine notorischen Finanzprobleme u.a. durch eine ständige Verschlechterung der Münzen beheben wollte, um seine Kriege gegen England zu finanzieren und sich dafür mit Albrecht I. in Deutschland verbündete, der die gegen ihn "revoltierenden" rheinischen Kurfürsten durch eine Bündnispolitik mit den an Einfluß gewinnenden Städten niederrang. Die zunehmende Bedeutung der Bürger zeigte sich auch daran, daß 1302 in Paris erstmals die Generalstände zusammentraten, und daß in London immer häufiger das Parlament tagte, zu dem neuerdings Vertreter der Ritterschaft und der Städte eingeladen wurden. [17.3.00]
  Eckhart war ca. 42 Jahre alt als er in Paris 1302 seinen Magister-Titel erhielt. In den folgenden 25 Jahren verfaßte er nahezu sein gesamtes Werk. Zu seinen Lebzeiten erfolgte u.a. der Umzug des Papsttums von Rom nach Avignon 1309 (vgl. Exil), der Prozeß gegen die Templer und die Hinrichtung des Großmeisters 1314, die europaweite Hungersnot 1316 aufgrund des Einbruchs der "Kleinen Eiszeit" (s. Jahrhundertwetter) und die Auseinandersetzungen zwischen Papst Johannes XXII. und Ludwig IV. aus Bayern.
  Aus dem vielfältigen Geschehen bis 1378 (Beginn des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England 1337, Reduzierung der europäischen Bevölkerung durch die Pest 1348-1350 (1352) von ca. 75 auf ca. 50 Millionen und damit verbunden die tödlichsten Judenpogrome bis zum Holocaust, die hohe Zeit der Hanse von 1351 bis 1382, der Vormarsch der Türken, die Entwicklung von Schießpulver und Kanone - um nur einiges zu nennen) sei an dieser Stelle nur ein Aspekt herausgegriffen:
  "Das Aufkommen der mechanischen Uhr war - abgesehen vom Buchdruck - wohl die folgenschwerste Erfindung des Spätmittelalters (..) Die Erfindung einer durch Gewichte betriebenen Räderuhr erfolgte noch vor 1300. Die erste öffentliche Uhr mit Schlagwerk, die mit ihrem riesigen Klöppel die 24 Stunden des Tages und der Nacht anschlug, wurde um 1335 in Mailand gebaut. Bald waren überall Kirchen und Rathäuser mit großen Schauuhren geschmückt, die als mechanisches Wunder des Kosmos, biblische oder historische Ereignisse in beweglichen Figurengruppen zeigten. Auch tragbare Schlaguhren mit Federzug kamen in Mode.
  Die Verbreitung mechanischer Uhren verwandelte Alltag und Arbeit der Menschen. Jetzt konnte die Arbeitszeit gemessen und die freie Zeit eingegrenzt werden. Die Zeitmessung veränderte auch die Lebenseinstellung. Jeder Mensch konnte nun die Zeit sichtbar laufen sehen. Man betrachtete das eigene Leben, vor allem die Dauer des Lebens nun mit anderen Augen. Auch die Sichtweise zur Geschichte oder zur göttlichen Ordnung änderte sich." [Zappe, S. 77]
  "Gegen Ende des 13. Jahrhunderts kamen die Butzenscheiben für die Fenster auf. Bald darauf waren auch die Räderuhren verbreitet, die vom Kirchturm oder vom Rathaus herunter den Menschen eine regelmäßige Stunde schlugen und den Alltag der Menschen dadurch neu zu regeln begann. Die Folgen waren groß. Nicht nur die tägliche Arbeit war betroffen, die ja zuvor nur vom Tageslicht bestimmt worden war. Langsam, aber sicher änderte die Uhr auch die Einstellung zu Leben und Tod. Die Uhr machte keine Pause, die Zeit rann und zerrann, und zwar für alle gleich. Egal, ob jung oder alt, arm oder reich. Und wem das letzte Stündlein schlug, für den war es zu spät, zu bereuen. Deshalb konnten immer mehr Wanderprediger gute Geschäfte machen. Sie zogen von Ort zu Ort und verkauften gegen klingende Münze sogenannte 'Ablaßzettel', die den Menschen ihre Sünden nachließen [Einer der ersten, der den Ablaß in Goldgulden umsetzte, war Johannes XXII.]."[Zappe, S. 26]
  Wie gesagt, Eckhart lebte in einer anderen Zeit. [6.2.06]

Kleidung
  Der Mann des Volkes um 1100 trug Hemd, darüber einen kurzen Rock mit weiten Ärmeln, darunter eine kurze Hose, an der Tuchstrümpfe mit Beinlingen befestigt waren und, wenns kühler wurde oder er es sich leisten konnte, einen Mantel auf beiden Schultern, der auf der Brust schließbar war, dazu Knöchelschuhe und eine phrygische resp. byzantinisch platte Mütze. Andere ließen sich in gebauscht gegürteter Tunika mit Schultermantel sehen.
  Frau in Deutschland trug ein Hemd und ein Unterkleid, darüber ein oben enges und unten lang und faltiges Oberkleid, teilweise mit weiten Hängeärmeln. Dazu einen Mantel und Fäustlinge (ab dem 13. Jahrhundert gabs dann endlich Fingerhandschuhe). Die französischen Mademoiselles et Madames trugen ein langes Hemd und einen langen, gegürteten Rock (und ein kurzes Überkleid, wenn es die gesellschaftliche Stellung erlaubte), dazu ein Kopftuch, Schleier oder die byzantinische Mütze mit Kinnband. [Stein, S. 475] [17.3.00]
  Im 14. Jahrhundert übernahm Frankreich die Führung in der europäischen Kleidermode. Die Einführung der vorn zu schließenden Gewänder bedeutete eine weitgehende Unabhängigkeit von antiken Vorbildern. In Frankreich trat an die Stelle des Mantels ein tief gegürtetes, langes Oberkleid mit Tasche oder Dolch am Gürtel.
  In Deutschland bestand die Männerkleidung aus einer Schecke (einem kurzen Rock), enger Strumpfhose (Beinlinge) und Gugel [nicht Google] (langzipfelige Kapuze mit Schulterkragen) und teilweise überladener Verzierung mit Bändern, Schellen, Besatz usw. Von den im Übermaß zu sehenden Mönchskutten der verschiedensten Orden ganz zu schweigen.
  Zur Frauenkleidung gab es erstaunlicherweise wenige Änderungen, außer daß im deutschen Frauenkleid das Schnürleibchen und bei den englischen Frauen die Schleppe aufkam. Außerdem wurde der Rock vom Leibchen getrennt.
  Nach 1350 entstand die Jacke in England und Frankreich. In Frankreich ist sie mit hohem Stehkragen ausgebildet, in der Mitte eingeschnürt und wattiert.
  Um 1375 gibt es einen ärmellosen Mantel ("Heuke") als männliches Kleidungsstück in Mitteleuropa. Wird in der Folgezeit auch von den Frauen getragen [welches "männliche" Kleidungsstück wurde "in der Folgezeit" eigentlich noch nicht von Frauen getragen ? - der umgekehrte Fall tritt bekanntermaßen eher selten auf -]. [Stein, Ss. 601,607,613] [22.10.04]

Die neueste Mode
  Kaum waren die ersten großen Pestepidemien abgeklungen, ergriff die Menschen neue Lebensfreude. Ein sichtbares Zeichen dafür ist der Wandel der Kleidung, der um 1350 in Burgund seinen Ursprung hatte. "Ungefähr in diesem Jahr", berichtet eine zeitgenössische Chronik, "zogen die Männer, insbesondere die Knappen und ihre Gefolgschaft, welche Bürger und ihre Diener so kurze und enge Gewänder an, daß sie erblicken ließen, was die Scham zu verbergen gebietet." Die Hose sah damals noch anders aus als jetzt: Die Hosenbeine waren noch nicht zusammengenäht, besaßen also keine Zwickel. Um die Männlichkeit zu betonen, wurden die Beinkleider jetzt immer enger und plastischer. Der Hervorhebung der Geschlechtsorgane dienten die "Schamkapsel" oder später der "Hosenlatz" mit Schleifen und Fransen. Das kurze Oberkleid wurde nach seiner französischen Herkunft "jaquette" getauft, eingedeutscht Schecke und dann Jacke genannt. Modisches Kennzeichen dieser Jacken war es, daß sie so eng genäht waren, daß man sie nicht mehr über den Kopf ziehen konnte. Deswegen trug man sie mit langem Ausschnitt, oft bis an den Gürtel. Eine ausgesprochene Modetorheit waren die Schnabelschuhe, deren Spitze so langgezogen sein konnte, daß man sie mit Schnüren an den Beinen befestigen mußte. Auch in der Damenwelt wurde die figurbetonte Mode immer verbreiteter: Das eng verschnürte Mieder betonte die Brüste, die durch einen tiefen Ausschnitt sichtbar wurden. Das war noch nicht freizügig genug: Auch das Rückendekolleté kam in Mode. Die Kleider waren eng tailliert und wurden mit einer langen Schleppe getragen. Mit Stoff wurde also trotz der figurbetonten Schnitte nicht gespart. Die übliche Kopfbedeckung war Schleier oder Haube. Die Mode kam aus Frankreich - woher sonst? Sie durchwanderte von dort aus fast alle Teile Europas und wurde dabei regional immer wieder verändert, dadurch entstanden regionale Trachten. [Zappe, S. 33 f.] [14.2.06]
Vil dicke frô houbet stât
an satem bûche, swer den hât.

Freidank, S. 164/165
Gar fröhlich pflegt sein Haupt zu tragen,
wer sich den Bauch grad vollgeschlagen.
Freidank 125,11
[6.12.04]
Ernährung, Esskultur, Küche
  Die Einschränkung der Nutzungsrechte an Ödlandflächen, die seit dem Hochmittelalter mit wachsender Systematik betrieben wurde, ist vielleicht der wichtigste Einschnitt in der Ernährungsgeschichte der unteren Schichten. Die Ernährung der unteren Schichten basierte von da an vorrangig auf pflanzlichen Produkten (Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse), während der Fleischkonsum (v.a. Wildbret) als Vorrecht und Statussymbol der Oberschicht betrachtet wurde.
  Mit dem Aufschwung des Städtewesens zeichnete sich seit dem Hochmittelalter ferner ein Gegensatz zwischen städtischen und ländlichen Konsumgewohnheiten ab. Während die Landbevölkerung, die bei der Nutzung von Wald und Weide weitgehend an den Rand gedrängt war, v.a. auf die Produkte ihrer Felder angewiesen war, konnten die städtischen Schichten nun stärker die Vorteile des Marktes nutzen. Die städtischen Autoritäten bemühten sich außerdem durch gesetzgeberische, politische und zuweilen selbst militärische Maßnahmen, die reguläre Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu gewährleisten - allerdings nicht immer erfolgreich.
  Der jetzt auf Betreiben von landbesitzenden Bürgern in größerer Quantität angebaute Weizen wurde vorwiegend in die Städte transportiert. So aßen die Städter Weißbrot aus Weizenmehl, während auf dem flachen Land weiterhin Schwarzbrot und mindere Getreidesorten überwogen, die auch zur Bereitung von Brei dienten. Außerdem war der Fleischkonsum der Städter höher und vielfältiger. Das Abrücken von den ländlichen Ernährungsgewohnheiten bot den städtischen Bevölkerungsschichten Anlaß zu verändertem Sozialverhalten; auch durch den Speisenkonsum wurde die Zugehörigkeit zu einer privilegierten Gemeinschaft angezeigt. M. Montanari, [LdM III, Sp. 2163 f. - gekürzt]
  Vom ausgehenden 13. Jahrhundert an nehmen die Nachrichten auch zur Geschichte der Alltagsernährung an Umfang und Detailreichtum deutlich zu. In erzählenden Quellen begegnen bereits prästatistische Angaben zum Gesamtverbrauch ganzer Städte, so bei Giovanni Villani für Florenz. Es kann nicht den geringsten Zweifel daran geben, daß nach dem demographischen Umschwung in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgrund der nun veränderten Boden-Mensch-Relation die zunehmende Hinwendung der Verbraucher zu höherwertigen Nahrungsmitteln ermöglicht worden ist: Das Brot wurde feiner, mehr Fleisch und sonstige tierische Produkte kamen auf den Tisch, Wein und Bier - im 15. Jahrhundert zunehmend Hopfenbier - wurden regelmäßiger konsumiert.
  Mahlzeiten: Eine vollständige Tagesration umfaßte im späteren Mittelalter zwei Hauptmahlzeiten: Morgenimbiß (imbs, prandium) und Nachtimbiß (cena), dazu bis zu drei Zwischenmahlzeiten (Morgensuppe, Abendbrot, Schlaftrunk u.ä.). Auch wenn die hohe Wertschätzung des Essens in allen Schichten der mittelalterlichen Gesellschaft nicht zu bestreiten ist, wird man bei der Anzahl der Mahlzeiten weniger an Gier als an die Länge und vergleichsweise Eintönigkeit des mittelalterlichen Alltags zu denken haben. Die bis zu fünf (gelegentlich auch noch mehr) Mahlzeiten bestanden üblicherweise aus Brot, Brei oder Mus aus Getreide oder Hülsenfrüchten (gemüese), gekochtem Fleisch, Kraut, Suppe und Wein oder Bier, seltener Met. Trotz dieses regelmäßig wiederkehrenden Grundangebots ist das häufig wiederholte Pauschalurteil falsch, auch die spätmittelalterliche Ernährung sei noch immer eintönig und gleichförmig gewesen. Ebenso unzutreffend ist die Annahme, soziale Unterschiede hätten sich noch im 14./15. Jahrhundert nur oder überwiegend in Menge und Regelmäßigkeit des Verbrauchs, nicht aber in der Qualität der Nahrung ausgedrückt.
  Bei aller Vorsicht vor unzulässigen Verallgemeinerungen kann man davon ausgehen, daß aufgrund der demographischen Entwicklung im 14. und 15. Jahrhundert pro Kopf mehr Nahrungsmittel verfügbar waren als in den Jahrhunderten davor oder am Vorabend der Industrialisierung in Europa. Nach den ermittelten Zahlen ist es nicht unwahrscheinlich, daß der Getreideverbrauch pro Kopf der Bevölkerung bei 200 kg/Jahr gelegen hat. Beim Fleischkonsum ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle anzunehmen, in Florenz (14. Jahrhundert) sind über 30 kg, in Carpentras (15. Jahrhundert) 26 kg, im Languedoc (15. Jahrhundert) 40 kg errechnet worden. In den Städten nördlich der Alpen ist ein Durchschnittskonsum von ungefähr 50 kg denkbar, die oft genannten 100 kg - in Einzelfällen sicher noch übertroffen - sind als Gesamtdurchschnittsverbrauch mit Sicherheit zu hoch angesetzt. Bei Wein und Bier sind Tagesrationen von 1-2 Maß (bis über 2 l) für Erwachsene keine Seltenheit, Durchschnittsberechnungen für mediterrane Städte ergeben bis über 400 l Wein pro Kopf und Jahr. Doch muß berücksichtigt werden, daß Wein und Bier alkoholärmer waren als in der Gegenwart. U. Dirlmeier, [LdM III, Sp. 2168 f. - stark gekürzt]
Esskultur
  Das Klimaoptimum im hohen Mittelalter (etwa 950-1300) brachte vermehrten Getreideanbau, die Dreifelderwirtschaft und zunehmende Verbreitung städtischer Lebensformen. Die höfische Esskultur verfeinerte im Spätmittelalter bei Festmählern auch visuell die Tafelkultur. Durch die Benutzung von Werkzeugen wie Messern sowie durch Schneiden von Fleisch beim Essen setzte sich aufrechtes Sitzen am Tisch endgültig durch. Die ausführlichste »Tischzucht« des Mittelalters überlieferte Reiner der DeutscheFagifacetus«; 13. Jahrhundert).
  Außerdem wurde seit dieser Zeit die Esskultur auch durch das Aufkommen der kommerziellen Gastlichkeit (Wirtshäuser, Gaststätten) beeinflusst. Im Bereich des Handwerks (Gildenmahl, Zunftessen) wie der öffentlichen Verwaltung (Ratsherrenessen) gehörten gemeinsame Mahlzeiten repräsentativen Charakters zu den Höhepunkten des Soziallebens und zu den zentralen identitätsstiftenden Ereignissen. Beispielsweise erhielt sich in Bremen aus dem Übergang zur Neuzeit das Schaffermahl.
  Seit dem auch alltagskulturell stark christlich geprägten Mittelalter wurde die Praxis der Ernährung in Europa in hohem Maße von kirchlichen Vorschriften und Verboten geprägt. Dies betraf zunächst die 40-tägige vorösterliche Fastenzeit, in der der Konsum tierischen Fettes und Fleisches (außer Fisch) untersagt war, ferner das Essen von Eiern, die als Symbol des Lebens und als flüssiges Fleisch galten. Vom Fastengebot waren nur die Sonntage ausgenommen. An den übrigen Tagen wurde der Fleisch- durch Fischkonsum ersetzt. Die Gestaltung der Feiern von Fastnacht/Karneval sowie des Osterfestes mit den jeweils üppigen Mahlzeiten steht in direktem Zusammenhang mit der vorösterlichen Fastenzeit und hat sich als kulturelles Muster bis in die Gegenwart erhalten. Als von der Kirche vorgeschriebener Fastentag galt ferner prinzipiell der Freitag. Die ebenfalls 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit, die nur durch den Nikolaustag unterbrochen wurde, war in der Alltagskultur weniger stark verankert. [BEO]
Küche (in 'Anekdoten')
[Frankreich] - Ludwig IX. erhob auch das Panier der Rôtisseurs, denen er in jeder Beziehung sehr zugetan war. Seiner besonderen Gunst efreuten sich erfindungsreiche Gänsebräter. An seinem Hof wurde gewaltig geschmaust und nicht wenig pokuliert. Selbst die Fastenessen des heiligen französischen Königs hatten es in sich. Zu den üppigen Fischmahlzeiten aus Seezunge, Austern, Aal, Hummer, Makrelen und Rochen groß wie Regenschirme soll der Wein muldenweise geflossen sein, ohne dem König in das edle Haupt zu steigen. Die Pflege und Wertschätzung, die Saint-Louis dem Wein angedeihen ließ, läßt in gewisser Hinsicht auf die damalige Kulturhöhe schließen. Der Wein war ihm Symbol alles Befreienden und Festlichen.
  Man schrieb das Jahr 1248, als dieser eßfreudige und trinkfeste König die Gründung der Corporation des Rôtisseurs verfügte. Zunächst freilich wurden nur seine Lieblinge, die Rôtisseurs d'oies, die Ayeurs, also die Gänsebräter aufgenommen (S. 67).
  Das älteste französische Kochbuch von 1290 besitzt die Pariser Nationalbibliothek (S. 15).
[Italien] - Die Ernährungsstruktur der Italiener sollte sich grundlegend ändern, als der venezianische Händler Marco Polo 1295 von seiner Asienreise zurückkam. Nicht nur, daß er das Herstellungsverfahren von Speiseeis mitbrachte, bahnte er auch der Küche der tausend Teigkombinationen den Weg durch die »Pasta«. Dies ist der Sammelbegriff für die vielen verschiedenen Arten der heute bekannten Teigwaren: Spaghetti, Maccheroni, Tagliatelle, Vermicelli, Fettucine und Lasagne. Sie wird entweder »trocken« (asciutta) oder »in brodo« (in Fleischbrühe) gegessen, fast immer mit Parmesankäse. Es mag nicht allzu vermessen sein, zu behaupten, daß die Pasta das Quatrocento gebar (S. 54).
[Deutschland] - In deutschen Kochbüchern des 15. Jahrhunderts findet man auf ungarische Art bereitete Rinder-, Kalbs- und Schweinebraten, Hirschwildbret, Hirschlunge, Geflügel, Hecht, Hausen, Käsesuppe, Spinat, Torte und - Sauerkraut, das Attila ( 453) brachte. Das Sauerkraut kam aus China, wo sich die Arbeiter, die die Große Mauer bauten (221-210 v. Chr.) von Kohl und Reis nährten. Zur Haltbarmachung wurde Reiswein zugesetzt. Durch die Gärung entstand Sauerkraut. Die Hunnen brachten es nach Europa, wobei sie zum Säuern Salz beigaben. Die Teutschen galten in der Welt lange als »Biersäufer« und »Sauerkrautfresser«[: the sauerkrauts] (S. 88).
  In deutschen Landen wurde im Mittelalter wirkliche Kochkunst nur in den Palästen und in [einzelnen] Klöstern gepflegt. Kaufherren, Fürsten und Kirchenpotentaten waren die Gestalten und Gewalten jener Tage. Die deutsche Küche war damals schwer und ohne letzte Feinheit. Das gilt nicht nur für die damaligen Gasthäuser, es gilt ebenso für die bürgerliche Küche und die der reichsstädtischen Patrizier, obwohl diesen der Handel alle Schätze und kulinarischen Köstlichkeiten in ihre Speicher führte. Die Fleischkost dominierte und der Verbrauch an scharfen Gewürzen war außerordentlich, namentlich zur Brühe. [Maurer, S. 90] [19.2.06]

Wetter

14. Jahrhundert

13. Jahrhundert
  "Vom März bis in den August des Jahres 1259 fiel kaum Regen, es herrschte Überfluss an allen Früchten, namentlich an Wein, dergestalt, dass die leeren Fässer in höherem Wert standen als der Wein selbst", berichtet die Chronik von Speyer. Klimaextreme dieser Art stürzen die heutige Landwirtschaft in die Krise, weil große Viehbestände durchzufüttern sind und die ertragsstarken Pflanzen hohe Mengen an Wasser benötigen.
  Unter den Bedingungen der vieharmen, auf Getreide ausgerichteten vorindustriellen Landwirtschaft wurden dagegen in heißen und trockenen Sommern die höchsten Erträge an Wein und Getreide eingebracht. Entsprechend stiegen die Naturalabgaben an, die damals die wichtigste Steuerleistung darstellten. Trat das Frühjahr zeitig ein, konnte auf der gleichen Weidefläche zudem ein größerer Viehbestand durchgefüttert werden, was eine bessere Düngung der Felder erlaubte.
  Die Frühjahrs- und Sommerperioden waren im dreizehnten Jahrhundert überwiegend warm und trocken. Die Gletscher in den Alpen schmolzen weit zurück. Eine vergleichbare klimatische Gunstphase ist erst im zwanzigsten Jahrhundert wieder aufgetreten. Mit dem zwanzigsten Jahrhundert ist auch das winterliche Klima vergleichbar. Harte Winterfröste waren selten, mittelmeerische Vegetation dehnte sich nach Norden aus. So waren nach Angaben des Naturwissenschaftlers und Theologen Albertus Magnus in der Ebene um Köln Feigenbäume verbreitet. Sie trugen dreimal jährlich Frucht. Auch in der Poebene gediehen frostempfindliche Kulturpflanzen nordwärts. Dies spricht für eine Wärmeperiode, die eine hemisphärische oder gar globale Dimension erreichte.
  Unter diesen günstigen Bedingungen wuchs die Bevölkerung Europas innerhalb von hundert Jahren von 61 auf 73 Millionen an. Jene, die über Land und Leute geboten, konnten dadurch insgesamt mehr an Steuerleistung abschöpfen. In dieser klimatischen Gunstphase wurden die mächtigen Kathedralen gebaut, die zu Symbolen der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte dieser Zeit geworden sind. [1.3.01]

14. Jahrhundert
  Im April 1315 begann der unendliche Regen. Bis Mitte November setzten täglich neue Güsse ein, oft von heftigen Winden und Gewittern begleitet. Vom Pariser Becken bis ins Baltikum traten die Flüsse über die Ufer, zahlreiche Menschen ertranken in den reißenden Fluten.
  Das Getreide wuchs aus, das Heu verfaulte, die Traubenbeeren fielen von den Stöcken. Dem "Jahr ohne Sommer" folgte 1316 ein ebensolches. Europaweit, bis nach Rußland, wütete der Hunger. Da und dort ließen sich Verzweifelte zum Kannibalismus hinreißen. Zwischen 1340 und 1380 litt Mitteleuropa erneut unter kühlen und feuchten Sommern. Am schrecklichsten waren die 1340er Jahre. Im August 1342 wurde Deutschland von einer Flut heimgesucht, die in diesem Jahrtausend nicht mehr übertroffen werden sollte.
  In Konstanz drang das Wasser über die Stadtmauer herein, im Dom zu Mainz stand es drei Meter hoch. Völlig aus dem Rahmen fielen die Sommer 1345 bis 1347. Es sind die kältesten in diesem Jahrtausend. 1346 stand der Wein in Lindau Anfang August, 1347 sogar Anfang September noch in Blüte [und direkt im Anschluß daran die Pest]. Der extreme sommerliche Wärmemangel in drei aufeinanderfolgenden Jahren könnte durch einen gewaltigen Vulkanausbruch in den Tropen verursacht worden sein, den es noch zu entdecken gilt. Die Zungen der Alpengletscher stießen in der Folge rasch zum ersten Hochstand der "Kleinen Eiszeit" vor. Nach 1380 dehnte sich das sommerliche Azorenhoch wieder häufiger nach Mitteleuropa aus, der Wein floß reichlicher und schmeckte kräftig.
  Die "Kleine Eiszeit" begann um 1300 mit einem Sturz der mittleren Wintertemperaturen von zehn Grad gegenüber der "Mittelalterlichen Warmzeit". Gegen die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts hin wurden die Winter deutlich wärmer. Um 1900 endete die "Kleine Eiszeit". Sie trug nicht den Charakter einer einheitlichen Kaltzeit. Vielmehr schoben sich zwischen kalte und feuchte Phasen immer wieder wärmere Abschnitte ein, und innerhalb der Jahreszeiten zeigten sich, wie in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, oft gegenläufige Tendenzen.

  Diese Jahrhundertwetter wurden Ihnen präsentiert von Christian Pfister in: [MJ 13, S. 23 f.] [1.3.01] und in: [MJ 14, S. 24 f.] [2.2.06]

  Die Wetterdaten zur Zeit Eckharts (hier: 1259 bis 1329) verdanken wir R. Glaser und seiner Klimageschichte Mitteleuropas.

Alltag

  Einen sehr schönen Ein- wie Überblick bietet Maike Vogt-Lüerssen in ihrer

mit dem Inhalt:
Vorwort
Die soziale Struktur der mittelalterlichen Gesellschaft
Modetrends im Mittelalter
Burgen, Ritter und Turniere
Essen und Trinken
Ehe und Scheidung, Sexualität und Liebe
Das Leben der Bauern auf dem Lande
Die Stadtluft macht frei
Die Justiz und das Strafwesen
Das Erziehungs- und Bildungssystem
Die Medizin und das Gesundheitswesen
Leben im Kloster

Abgerundet wird das Ganze durch ein:
Glossar

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